Identifikation

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»Die Übung der Identifikation beruht auf der Kenntnis des physikalischen Gesetzes der Resonanz. Wenn es euch gelingt, mit jemandem in Einklang zu schwingen, so werdet ihr nicht nur seine Gedanken und Gefühle kennen, sondern es werden sich auch seine guten Eigenschaften auf euch übertragen. Sonst könnt ihr, so lange ihr wollt, jemanden erforschen und beurteilen, um festzustellen, dass er so oder so ist, aber ihr werdet ihn tatsächlich nicht wirklich kennen, weil ihr ihn nur äußerlich kennt. Richtig erkennen werdet ihr ihn erst, wenn ihr mit ihm in Einklang schwingt. Denn es ist die Tatsache, sich auf gleicher Wellenlänge zu befinden, die zwei Wesen einander so annähert, dass sie sich gegenseitig erkennen können«.[1]

Einleitende Bemerkungen

Die Identifikation ist eine meditative Übung, die den Bereich des Geistes, des Atmankörpers, des höheren Willens betrifft. Diese Übung führt zu einer energetischen Verschmelzung zwischen dem Übenden und dem Gegenstand seiner Meditation. Auch in der Synoptischen Tafel wird die Identifikation als jene dem Geist eigene Aktivität genannt, welche zu einer bestimmten Belohnung, nämlich zur Wahrheit führt. Um dies besser zu verstehen, nehmen wir einen Text von Omraam Mikhaël Aïvanhov zu Hilfe, in dem er erklärt, dass die einzige Weise, um wirklich etwas zu erkennen, durch die Identifikation geschieht, also indem man erlebt, was es bedeutet, dieses Etwas selbst zu sein:

»Die einzig wahre Erkenntnis, die zu erringen sich lohnt, ist die, von der Jesus sprach, als er sagte: »Das ewige Leben heißt, Dich zu erkennen, den einzigen wahren Gott und Jesus Christus, den Du gesandt hast.« Aber um zu erkennen, genügt es nicht, zu lesen, zu studieren, zu analysieren und nachzudenken, denn die wahre Erkenntnis erreicht man nicht nur mit dem Verstand. Die verstandesmäßige Erkenntnis bleibt äußerlich, oberflächlich. Man erkennt die Dinge und Wesen nur, indem man eins mit ihnen wird. Moses, der ein großer Eingeweihter war, gab dem Wort »erkennen« seine wahre Bedeutung, als er schrieb: »Adam erkannte Eva« oder »Abraham erkannte Sarah«. Und aus diesem Erkennen wurde jedes Mal ein Kind geboren. Hier zeigt sich, dass das wahre Erkennen eine Vereinigung ist, eine fruchtbare Verschmelzung mit einem Wesen oder einem Gegenstand. Wenn ihr jemandem begegnet seid und einige Worte mit ihm gewechselt habt, könnt ihr dann sagen, dass ihr ihn kennt? Nein, sicher nicht, ihr habt euch zwar einander vorgestellt, aber das ist alles, ihr kennt ihn nicht. Erst wenn ihr eins geworden seid, könnt ihr sagen, dass ihr einander kennt, aber nicht vorher. Und dies ist umso wahrer, wenn es sich um Gott handelt. Solange man nicht mit Ihm eins geworden ist, kennt man Ihn nicht. Allein die Verschmelzung, die Vereinigung, die Ekstase erlaubt es dem Menschen, Gott zu erkennen«.[2]

Die Identifikation führt also zur Wahrheit, zu einer höheren Erkenntnis, und die Wahrheit bringt uns die Freiheit, so wie Christus sagte: »Die Wahrheit wird euch befreien.« Jesus sprach hier genau von dieser Wahrheit, welche ihren Ursprung in der Verschmelzung unseres Geistes mit Gott findet.

»Das Ziel aller spirituellen Disziplinen ist es, den Menschen dahin zu führen, dass er sein Einssein mit Gott erkennt. Jeder Fortschritt, den ihr auf diese Identifikation hin macht, bringt euch näher zu eurem wahren Selbst. Das göttliche Bewusstsein, das ihr so entwickeln konntet, wird an allen euren Aktivitäten teilnehmen. Ihr werdet euch als ein anderes Wesen fühlen, und Gott Selbst wird Sich durch euch manifestieren. Das ist die Bedeutung der Worte Jesu: »Mein Vater und ich sind Eins«.[3]
»Jesus sagte: »Das ist aber das ewige Leben, dass sie Dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen« (Jh 17,3). Ihr werdet euch fragen, wie man den Herrn erkennen kann. In Wirklichkeit handelt es sich nicht um eine objektive Kenntnis, denn wir sind nicht von Ihm getrennt. Aber um Ihn zu erkennen, müssen wir die Intensität unserer Schwingungen erhöhen, damit wir die entsprechende Wellenlänge finden und uns so mit Ihm identifizieren können. Denn die Erkenntnis ist nichts anderes als eine Anpassung, eine Vereinigung mit dem Wesen, das man erkennen will, also eine Harmonie der Schwingungen«.[4]

Die Übung der Identifikation war bereits in den alten ägyptischen Mysterien und in den griechischen Mysterien bekannt. Wir finden eine Spur davon in den berühmten Worten: Erkenne Dich selbst »Jetzt werdet ihr die Bedeutung der Inschrift auf dem Tempel in Delphi besser verstehen: »Erkenne Dich selbst.« Mit dieser Formel wollten die Eingeweihten sagen, dass der Mensch nicht das ist, was er zu sein glaubt und dass er daher lernen muss, sich zu erkennen. Sich zu erkennen bedeutet, sich mit sich selbst zu identifizieren, eins zu werden mit diesem höheren Selbst, das sich oben, in den Welten des Geistes, befindet. Deshalb muss der Mensch alles aufgeben, was nur Hülle, Schale, Illusion ist, um immer höher zu steigen, bis er ganz mit seinem eigenen Geist, mit seinem eigenen höheren Selbst eins geworden ist. Die Verschmelzung mit dem höheren Selbst ist die Verschmelzung mit Gott. Sich selbst wiederzufinden und zu erkennen bedeutet, in der Gottheit aufzugehen, denn jener Funke, jener Geist, der im Menschen ist, ist niemals getrennt von Gott. Indem er sich selbst sucht und wiederfindet, erreicht der Mensch das erhabene Bewusstsein, in Gott zu leben und zu atmen«.[5]

Die Identifikation erlaubt uns also, das höchste Ziel jeder geistigen Unterweisung zu erreichen, nämlich Gott zu erkennen, mit Ihm zu verschmelzen und damit unsere eigene göttliche Essenz zu finden. Diese Vereinigung mit dem Göttlichen macht es möglich, den höchsten für einen Menschen erlebbaren Bewusstseinszustand, den Zustand des »ewigen Lebens« zu erfahren.

»Gott zu erkennen bedeutet, mit dem Herzen, dem Versand, mit Seele und Geist in Einklang mit Ihm zu schwingen. Diese Erkenntnis bringt uns den höchsten Bewusstseinszustand des ewigen Lebens. Um das ewige Leben zu haben, müssen wir also mit Gott verschmelzen, damit Sein Leben, das wahre Leben, in uns zu strömen beginnt. Diese Verschmelzung kann nur durch die Liebe geschehen. Deshalb sagte Jesus: »Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit deinem ganzen Geist und all deiner Kraft.« In dem Moment, in dem wir mit Ihm eins werden, treten wir mit dem Ganzen in Verbindung, und das ewige Leben überflutet und erleuchtet uns. Ihr sagt: »Aber die Ewigkeit ist doch eine Zeitspanne ohne Ende…« Sicher, aber die Ewigkeit ist eine Sache und das ewige Leben eine andere. Man kann das ewige Leben haben, ohne in Ewigkeit zu leben. Das ewige Leben ist kein bis in die Unendlichkeit ausgedehnter Zeitraum. Eine einzige Sekunde genügt, um uns das ewige Leben kosten zu lassen, denn hier handelt es sich um einen Bewusstseinszustand«.[6]

Aïvanhov empfiehlt dringend, dass die Übung der Identifikation gleichzeitig mit einer ernsthaften und tief gehenden Arbeit an unserem eigenen Charakter praktiziert wird, vor allem mit einer Arbeit an der praktisch bei allen Menschen bestehenden Neigung zum Hochmut. Indem wir uns ständig im Bewusstsein halten, dass alle Menschen Kinder Gottes sind, entwickeln wir die Eigenschaften der Brüderlichkeit, der Liebe, der Demut und des Mitgefühls.

Bibliographie

Werke und/oder Vorträge von Omraam Mikhaël Aïvanhov über das behandelte Thema

Multimedia (Bilder, Audio, Video)

Auszüge aus Vorträgen von Omraam Mikhaël Aïvanhov (Audio und/oder Video)

Verwandte Beiträge

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Aïvanhov, O. M., Che cos'è un Maestro spirituale, Prosveta, 2001, pag. 154.
  2. Aïvanhov, O. M., Voi siete Dei, Prosveta, 2001, pag. 29.
  3. Aïvanhov, O. M., Voi siete Dei, Prosveta, 2001, pag. 29.
  4. Aïvanhov, O. M., Pensieri quotidiani 2008 (26 settembre), Prosveta, 2007.
  5. Aïvanhov, O. M., La vita psichica: elementi e strutture, Prosveta, 1994, pag.
  6. Aïvanhov, O. M., Voi siete Dei, Prosveta, 2001, pag. 453.

Anmerkung für den Leser: die Ausarbeitung dieses vorläufigen Beitrages erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist nur ein Ausgangspunkt, da das Thema von Omraam Mikhael Aïvanhov in verschiedenen Vorträgen zwischen 1938 und 1985 noch ausführlicher dargelegt wurde. Interessierte Personen werden, durch direktes Lesen oder Hören seiner Vorträge (herausgegeben vom Prosveta Verlag, dem alleinigen und exklusiven Eigentümer der Rechte an seiner Arbeit), wichtige Aspekte von weiterem Interesse finden. Dieser Beitrag drückt also nur einen Teil von Aïvanhov‘s Gedanken zu diesem Thema aus.
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