Kontemplation

Aus OmraamWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
„Würdet ihr gerne einige eurer Schwächen korrigieren und manche instinktiven Neigungen beherrschen? Es wird euch nur dann gelingen, wenn ihr in euch die Liebe für ein hohes Ideal nährt. Was ist ein hohes Ideal? Das Streben nach Schönheit, nach der spirituellen Schönheit, die aus Reinheit, Licht und Harmonie besteht. Ihr betrachtet diese Schönheit, und ganz natürlich und spontan befreit ihr euch von allem, was ungesund, dunkel und chaotisch ist. Diese Liebe zur Schönheit schützt euch, wie ein Kleidungsstück, das ihr nicht beschmutzen wollt. (…)“- [1]

Einleitende Bemerkungen

Die Kontemplation ist ein meditativer Zustand, der den Buddhi-Körper, den Sitz der höheren Seele, betrifft (siehe Synoptische Tafel). Während der Kontemplation betrachtet man in innerer Versunkenheit und eingetaucht in einen Zustand der Liebe und Inspiration ein Objekt spiritueller Natur. Um einen solchen Zustand erfahren zu können, ist es nötig, dass die niedere Natur (die Personalität) während der Zeit der Meditation ruhig und still geworden ist. Keine Gedanken oder Emotionen sollten sich während dieser Augenblicke störend einmischen. Der Zustand der Meditation geht dann für den Übenden über in eine ganzheitliche Wahrnehmung des gewählten Themas und ist begleitet von einer tiefen Empfindung des Staunens, der Freude und der Schönheit über das Wahrgenommene. Es beginnt ein wahrer energetischer Austausch zwischen dem Übenden und dem gewählten Objekt, die Seele des Übenden kann in diesem inneren Zustand Nahrung finden, dehnt sich aus und ist in der Lage, die unendliche Weite zu fühlen, mit der Empfindung, dass die Seele und das Bewusstsein überall im Universum anwesend sind. Die Kontemplation ist jene Aktivität der Seele, durch die sie sich mit ihrem Ideal der Weite und Ausdehnung ernähren kann.

»Die Kontemplation ist eine Aktivität der Seele; an ihr nimmt das gesamte Wesen des Menschen teil. Seine Seele neigt sich, gibt sich hin, vereinigt sich und verwirklicht eine Verschmelzung mit dem Gegenstand der Kontemplation. Die Kontemplation ist die höchste Form des Gebets. Durch das Gebet steigt ihr auf, betrachtet die göttliche Herrlichkeit, und angesichts dieser Herrlichkeit fühlt ihr eine außergewöhnliche Ausdehnung, ihr kostet die Ekstase. In dieser Ekstase erweitert sich euer Bewusstsein, ihr beginnt alles zu verstehen, ihr umfasst die gesamte Welt, ihr erreicht die Dimensionen der Gottheit. All jene, die das Entzücken der Kontemplation kennengelernt haben, sagten hinterher, dass sie nicht mehr auf der Erde in einem begrenzten physischen Körper waren, sondern in der Universalseele aufgegangen, mit ihr verschmolzen sind. Danach kamen sie natürlich wieder herab, um ihre tägliche Arbeit fortzusetzen, aber während dieser wenigen Minuten oder Stunden lebten sie in der Unendlichkeit, dem Eins-Sein und der Ekstase.« (2)
»Ihr sagt vielleicht, kontemplieren bedeute beobachten. Bei der Beobachtung fehlt jedoch etwas, was bei der Kontemplation vorhanden ist. Bei der Beobachtung offenbart sich der Intellekt, während sich bei der Kontemplation das gesamte Wesen offenbart und teilnimmt. Man empfindet eine Verzückung, eine Freude, ein Wohlbefinden; der Zustand ist lebendiger als bei der Beobachtung.« (3)
»Bei der Beobachtung stellt ihr Vergleiche an und analysiert; bei der Kontemplation hingegen befindet ihr euch in einem absoluten Vertrauen, in einem Zustand der Verzückung, ihr kritisiert nichts. Es ist also nicht das Gleiche. Bei der Kontemplation vereint man sich mit dem, was man kontempliert, man identifiziert sich damit. Das ist außergewöhnlich.« (4)

Gemäß Omraam Mikhaël Aïvanhov gelingt es nur sehr weit entwickelten Menschen, die höchsten Ebenen der Kontemplation, bis hin zur Ekstase, zu erreichen. Doch mit etwas Übung kann auch jeder andere Mensch durch das Gefühl der Liebe die Kontemplation erfahren, denn dieses Gefühl führt am leichtesten zu einem solchen Bewusstseinszustand. Wenn ein Wesen seine Gedanken und seine Gefühle zu kontrollieren lernt und die Bewegungen seiner niederen Natur beherrscht, kann es die Kontemplation durch die Betrachtung der Natur, eines geliebten Wesens, des Sonnenaufgangs, einer Darstellung des Göttlichen etc. üben und sich dabei mit offenem Herzen von der diesem Objekt entströmenden spirituellen Schönheit ernähren.

Die Kontemplation des Sternenhimmels

Das Anschauen des Sternenhimmels kann beim Betrachter natürlicherweise einen verinnerlichten Zustand der Kontemplation hervorrufen, weil der Sternenhimmel die Offenbarung der Unendlichkeit, des unbegrenzten Raumes ist, und weil unsere Seele sich nach diesem idealen Zustand sehnt. Die Begegnung mit der Weite des Raumes erlaubt der Seele, ihre wahre Dimension wiederzufinden und in der Unendlichkeit ihre Nahrung zu erhalten.

»Stellt euch in der Stille der Nacht vor, dass ihr die Erde samt ihren Streitigkeiten und Tragödien verlasst und ein Bürger des Himmels werdet. Meditiert über die Schönheit der Sterne, über die Größe der dort beheimateten Wesen. Je höher ihr euch in den Weltraum hinaufschwingt, desto leichter und freier werdet ihr euch fühlen; vor allem jedoch werdet ihr dabei den Frieden entdecken, einen Frieden, der allmählich in alle Zellen eures Wesens eindringt. Während ihr über die Weisheit meditiert, die diese Welten erschuf, und über die Wesen, die eine Spiegelung jener Welten sind, werdet ihr spüren, wie eure Seele sehr subtile Antennen entwickelt, durch deren Hilfe sie mit diesen Welten in Kontakt kommt. Das sind erhabene Momente, die man sein ganzes Leben lang nicht mehr vergisst.« (5)
»Durch das Denken an die Unendlichkeit, an die Ewigkeit, beginnt ihr zu spüren, dass ihr über allem schwebt, dass euch nichts mehr erschüttern kann, kein Kummer, keine Traurigkeit, kein Verlust, weil ein anderes Bewusstsein in euch erwacht; ihr beurteilt und empfindet die Dinge auf andere Weise. Dieser Bewusstseinszustand ist jener der Eingeweihten und großen Meister.«

»Indem ihr daran denkt, dass diese Sterne, die ihr betrachtet, schon seit Milliarden von Jahren existieren, dass die Intelligenz, die diese Welten erschaffen hat, ewig ist und dass ihr nach ihrem Bilde geschaffen seid, spürt ihr auch, dass euer Geist ewig ist.« (6)

»Gewöhnt euch also an, in klaren Nächten die Sterne zu betrachten und diesen Frieden zu trinken, der sanft vom Sternenhimmel heruntersteigt. Verbindet euch mit jedem einzelnen Stern, dann wird jeder von ihnen wie eine lebendige, intelligente Seele euch etwas sagen. Versucht einen Stern zu finden, zu dem ihr eine besondere Affinität verspürt. Verbindet euch mit ihm, stellt euch vor, ihr ginget ihm entgegen oder er spräche zu euch… Gestirne sind hochentwickelte Seelen. Hört auf ihre Stimme, ihr werdet die Lösung für viele Probleme finden, euch erleuchtet und besänftigt fühlen. Alle großen Eingeweihten haben sich durch die Kontemplation des Nachthimmels belehren lassen, ihre Seele kommunizierte mit den Sternen, und diese Zentren unerschöpflicher Kraft schickten ihnen Botschaften, die sie anschließend den Menschen übermittelten.« (7)

Bibliographie

Werke und/oder Vorträge von O. M. Aïvanhov über das behandelte Thema

  • Aïvanhov, O. M, Erhebende Gedanken – die Meditation, 2017, Ed. Prosveta.
  • Aïvanhov, O. M, Meditationen beim Sonnenaufgang l Prosveta, 2009.
  • Aïvanhov, O. M,Die Atmung, spirituelle Dimension und praktische Anwendungen, Prosveta, 2009.

Fremdsprachige Artikel über das behandelte Thema, in Verbindung mit der Lehre von Omraam Mikhaël Aïvanhov

  • Internationales Studienzentrum Omraam Mikhaël Aïvanhov (2016), La Meditazione nell’Insegnamento di Omraam Mikhaël Aïvanhov, "Misli Nr. 3", p. 128 ff.

Multimedia (Bilder, Audio, Video)

Auszüge aus Vorträgen von Omraam Mikhaël Aïvanhov (Audio und/oder Video)

  • Video youtube, Prosveta Verlag: Meditieren bedeutet, mit der göttlichen Welt verbunden zu bleiben

Verwandte Beiträge

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Aïvanhov, O. M., Gedanken für den Tag 2016 (28. August), Prosveta, 2015.
  • 1.
  • 2 Aïvanhov, O. M, Die neue Erde, Prosveta, 2008.
  • 3 Aïvanhov, O. M., Unveröffentlichter Vortrag vom 1. Mai 1941.
  • 4 Aïvanhov, O. M., Unveröffentlichter Vortrag vom 1. Juli 1944.
  • 5 Aïvanhov, O. M, Der Weg der Stille, Prosveta, 2000, Kap. „Die Offenbarungen des Sternenhimmels“.
  • 6 Aïvanhov, O. M., Erkenne dich selbst - Jnani Yoga, Prosveta, 2003, p.122.
  • 7 Aïvanhov, O. M., La voie du silence, Prosveta, 2000, Kap. „Die Offenbarungen des Sternenhimmels“.

Anmerkung für den Leser: die Ausarbeitung dieses vorläufigen Beitrages erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist nur ein Ausgangspunkt, da das Thema von Omraam Mikhael Aïvanhov in verschiedenen Vorträgen zwischen 1938 und 1985 noch ausführlicher dargelegt wurde. Interessierte Personen werden, durch direktes Lesen oder Hören seiner Vorträge (herausgegeben vom Prosveta Verlag, dem alleinigen und exklusiven Eigentümer der Rechte an seiner Arbeit), wichtige Aspekte von weiterem Interesse finden. Dieser Beitrag drückt also nur einen Teil von Aïvanhov‘s Gedanken zu diesem Thema aus.
OmraamWiki ist ein internationales Projekt, das mit dem Beitrag der wissenschaftlichen Forschungsfonds der Universität für Ausländer von Perugia (Institut für Human- und Sozialwissenschaften) realisiert wurde.